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Der einsame FCL-Fan, Margiotta und Herr Isenschmid
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Der einsame FCL-Fan im dunkelblauen Jacket auf der Haupttribüne: Luzerns Medienchef Markus Krienbühl ging später beim 2:2-Ausgleich ab wie ein Zäpfchen. (Bild: Sämi Deubelbeiss)

Wie wichtig die Unterstützung der Fans ist Der einsame FCL-Fan, Margiotta und Herr Isenschmid

4 min Lesezeit 28.06.2020, 11:45 Uhr

Die Anfahrt auf die Luzerner Allmend mit dem Velo verriet, dass dieser Samstagabend speziell und stürmisch werden würde. Wegen des Windes musste ich konzentriert bleiben, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Alles ging gut – und der Abend mit nur 1’000 Leuten im Stadion wurde legendär.

Letztmals war ich am 20. Oktober des vergangenen Jahres beim 3:1-Sieg des FC Luzern gegen Sion in der Swissporarena. Umso gespannter war ich, was mich nach so langer Abstinenz auf der Allmend erwarten würde.

Doch bevor ich überhaupt hineindurfte, musste ich auf einem A4-Blatt eine Selbstdeklaration ausfüllen. Habe oder hatte ich in den vergangenen 14 Tagen Husten, Fieber oder Muskelschmerzen? Diese und noch viele weitere Gesundheitsfragen wollte die Swiss Football League von mir und allen anderen Matchbesuchern wissen. Ich bin zum Glück kerngesund und kam daher problemlos rein.

Trotz Husten im Stadion

Noch vor dem Anpfiff wurde es aber hektisch in der Swissporena. Die Stadionarzt-Legende Koni Birrer kriegte per Funk eine Meldung auf sein Headset. Eine Zuschauerin hatte bei der Selbstdeklaration ganz ehrlich angegeben, dass sie Husten habe. Die Aufregung war gross, was man mit der guten Frau nun machen soll.

Ich fragte mich, ob man in Zeiten der Corona-Pandemie vergessen hat, dass es auch noch die ganz normale Erkältung oder Grippe gibt, zu der halt auch der Husten gehört. Die Stadionverantwortlichen hatten am Schluss ein Einsehen und liessen die ehrliche Frau ins Stadion.

Der einsamste Fan von Luzern

Den Anfang des Spiels hätte sie sich jedoch ersparen können, denn bereits nach fünf Minuten gingen die Gäste aus Genf in Führung. Das war natürlich gar nicht nach dem Geschmack der Hüstelnden sowie der weiteren 699 Fans im Stadion. Mit dem Staff der beiden Teams sowie allen Mitarbeitenden und Medienschaffenden waren insgesamt erstmals nach dem Lockdown wieder 1’000 Personen in der Swissporarena.

Der frühe Gegentreffer war Gift für die Stimmung im trotzdem leer wirkenden Rund, einzig der Luzerner Medienchef Markus Krienbühl feuerte seinen FCL in der Startphase immer wieder lautstark an. Er war so etwas wie der einsamste Fan von Luzern in diesem Moment.

Nach 17 Minuten ein erstes «Hopp Lozärn»

Das Spiel plätscherte vor sich hin. Die Luzerner, die wegen vieler verletzter Spieler gleich mit vier sehr jungen Nachwuchskickern starteten, versuchten, in die Partie zu finden. Leider gelang dies nicht wunschgemäss, und grosse Torchancen blieben aus.

Genau für solche Momente sind in Heimspielen die Zuschauer wichtig und könnten helfen. Und das taten die 700 Fans, die ihren Eintritt an einer Verlosung gewonnen hatten. Exakt nach 17 Minuten ertönte ein erstes, lautes «Ho, Ho, Hopp Lozärn». Dieser zaghafte Anfeuerungsversuch nützte jedoch nichts, Servette erhöhte kurz vor der Pause verdient auf 2:0.

Der Schrecken im menschenleeren WC

Während des Pausentees ging ich auf die Toilette und konnte eines der sieben freien Pissoirs auswählen. Die sanitären Anlagen sahen einwandfrei und sauber aus. Erst beim Verlassen musste ich mit Schrecken feststellen, dass die WC gemäss Putzprotokoll letztmals am 9. Juni gereinigt worden waren.

«Herr Isenschmid soll sich doch bitte bei der Foodbox 5 melden, er hat einen persönlichen Gegenstand verloren.»

FCL-Stadionspeakerin

Ob ich das in einer Zeit voller Viren wohl überleben werde? Mit gewaschenen Händen, was während Zeiten von Corona gemäss BAG neben genügend Abstand matchentscheidend sei, ging ich zur Foodbox. Zu meiner Verblüffung kam ich sofort an die Reihe und wenig später sass ich mit einer Kebab-Box auf meinem einsamen Sitz auf der Haupttribüne.

Wie verwandelt aus der Kabine

Nicht nur das Essen war grosse Klasse, auch der FC Luzern kam wie verwandelt aus der Kabine. Nach einer Stunde war es so weit, Francesco Margiotta machte mir und allen Luzerner Fans mit seinem Anschlusstreffer Hoffnung. Nur fünf Minuten später kochte die Allmend definitiv, als Margiotta mit einem Traumtor die Partie ausglich.

Nun ging der FCL-Medienchef ab wie ein Zäpfchen, er war nun bei weitem nicht mehr der einsamste Fan von Luzern im Stadion. Der Funke war endgültig von der Mannschaft aufs Publikum übergesprungen. Fangesänge wie das «Örgelihuus» oder «Steht auf, wenn ihr Luzerner seid» hallten durch das weite Rund. Ich bekam Hühnerhaut.

Herr Isenschmid avanciert zum heimlichen Star

Nun war das Spiel hochspannend und hätte auf beide Seiten kippen können. Luzern war nahe an der Führung, doch der Ball zappelte nicht ein weiteres Mal im Netz.

Dafür ertönte aus dem Nichts eine legendäre Durchsage durch die Stadion-Lautsprecher: «Herr Isenschmid soll sich doch bitte bei der Foodbox 5 melden, er hat einen persönlichen Gegenstand verloren.»

Nach kurzem Zögern stand ein Herr in einem rot-weissen Hemd (oder war es ein Polo-Shirt?) im Sektor C auf und watschelte Richtung Ausgang. Die Fans feierten Herrn Isenschmid lautstark und dieser avancierte zum heimlichen Star des Abends.

Ein Abend, der doch noch einen Gewinner hervorbrachte. Die FCL-Fans haben gezeigt, dass man auch während der schwierigen Zeiten von Corona eine Mannschaft lautstark unterstützen kann. Das war Weltklasse, vielen Dank für diesen legendären Abend.

Hopp Lozärn ond bliebed gsond!

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